Statements zu aktuellen Fragen

Der pädagogische Dialog ist lanciert

 
"Weniger Reformen in der Schule" wird von allen Seiten immer wieder gefordert. Entsprechend haben wir in den letzten Jahren die Anzahl Neuerungen in der Berner Bildungspolitik massiv reduziert. Wichtige Anliegen - wie der Ausbau der Tagesschulen, das Frühfranzösisch, die freiwillige Basisstufe oder die Quartalösung - wurden beschlossen und aus Sicht der Politik abgeschlossen. Der Entwurf der neuen Bildungsstrategie enthält namentlich für die Volksschule keine neuen strukturellen Reformen mehr. 
 
Ziel dieser "Beruhigung" ist es, Zeit und Energie für das Wesentliche in der Schule zu gewinnen: Für die Reflektion und die Entwicklung des Unterrichts. Dazu ist es mir ein Anliegen, die Freiräume der Schulen bewusst zu machen, zu ihrer Nutzung zu ermuntern und sie - wo nötig - weiter auszubauen. Dazu soll ein breiter "Pädagogischer Dialog" Plattformen bieten. Unter anderem mit Kurzfilmen, welche zeigen, was in der Berner Schule alles Tolles gemacht wird. Am ersten "Tag der Schule" vom 21. Februar haben in Köniz wir den Pädagogischen Dialog lanciert.
 
Lesen Sie hier mein Referat am Tag der Schule.
Lesen Sie hier mehr zum "Pädagogischen Dialog".

Nützliche und unnütze Bildungsgänge?

Gegen das gegeneinander Ausspielen von Bildungsgängen

In letzter Zeit werden wieder vermehrt Stimmen laut, die scheinbar „nützliche“ gegen „unnütze“ Bildungsgänge gegeneinander ausspielen. So verlangen Vorstösse auf Bundes- und Kantonsebene einen Numerus Clausus oder andere Formen der Beschränkung des Zugangs zu den Geistes- und Sozialwissenschaften, denn diese seien brotlos und für die Gesellschaft weniger nützlich als etwa technische Studiengänge. Ebenso wird oft die Berufsbildung gegen die Universität ausgespielt oder die Grundlagen- gegen die angewandte Forschung.
 
In meiner Rede am diesjährigen Dies academicus der Universität Bern habe ich dazu klar Stellung genommen: Für den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes sind Berufs- wie akademische Bildung gleichermassen nötig. Für Innovation und Fortschritt brauchen wir dringend eine hervorragende Grundlagenforschung an den Universitäten wie auch eine erstklassige angewandte Forschung an den Fachhochschulen. Und dass Geistes- und Sozialwissenschaften weniger „nützlich“ wären oder „brotloser“ als andere Studiengänge ist schon von den Fakten her eine Mär. Unser Bildungssystem hat mit der Komplementarität der Bildungsgänge und der Wahlfreiheit auf Hochschulebene sehr gute Erfolge erzielt. Alle antiliberalen Ansätze, hier mit bürokratischer staatlicher Steuerung einzugreifen, gehen völlig in die falsche Richtung.
 
Lesen Sie hier meine Rede am Dies academicus in Bern.

Lehrerinnen und Lehrer

Don't be a hero - be a teacher!

Lehrerinnen und Lehrer müssen keine Helden sein. Helden riskieren ihr Leben - wir brauchen aber Lehrerinnen und Lehrer, die sich einsetzen, Beziehungen aufbauen, aber in ihrem Engagement auch Grenzen setzen können. Authentische Menschen mit Engagement. Vorbilder für die Schülerinnen und Schüler.

  • Lesen Sie hier mein Referat an der Tagung "Gantrisch Visionen" von LEBE.

Kommentar

Das Berner Übertrittsverfahren hat sich bewährt

Die "Berner Zeitung" schreib am 7. Juni 2014: "117 von 326 Schülerinnen und Schülern beginnen das nächste Schuljahr als Sekundarschüler, obwohl ihre Lehrer sie als Realschüler sahen". Die Aussage stimmt, ist aber derart verkürzt, dass sie die Leserinnen und Leser auf eine "falsche Piste" schickt: Als Leser hat man den Eindruck, in einem Drittel aller Fälle täuschen sich die Lehrpersonen in ihrer Empfehlung. Das ist aber keineswegs der Fall. Fakt ist: in einem Drittel derKonfliktfälle, also wenn sich Eltern und Lehrperson partout nicht einigen können, ergibt die neu eingeführte Kontrollprüfung eine Einstufung ins Sek-Niveau. Mir scheint das absolut plausibel und logisch und daraus kann keineswegs abgeleitet werden, dass die Lehrpersonen der Mittelstufe ihre Arbeit irgendwie ungenügend machen würden. Es wäre im Gegenteil erstaunlich, wenn sich die Eltern - die ja auch etwas von ihrem Kind verstehen! - in diesen Konfliktfällen sozusagen immer täuschen würden. Das wäre nicht plausibel.

Zum Hintergrund: Rund 8'000 Schülerinnen und Schüler haben in diesem Schuljahr das Übertrittsverfahren der Berner Volksschule im 6. Schuljahr durchlaufen. Dabei gab es bei allen ein Übertrittsgespräch zwischen Lehrperson, Eltern und Schülerin bzw. Schüler, bei dem die Empfehlung der Lehrerin bzw. des Lehrers diskutiert wurde. In 96 % alle Fälle war man sich am Ende des Gesprächs einig: Sek oder Real. Nur in 4 % der Fälle waren sich Eltern und Lehrperson derart uneinig, dass sich die Eltern entschieden, das Kind an die neu mögliche Kontrollprüfung zu schicken. Das sind die 326 Schülerinnen und Schüler, die der Artikel erwähnt. Es wäre überraschend gewesen, wenn dort in allen Fällen die Real-Empfehlung der Lehrperson bestätigt worden wäre. Schliesslich handelt es sich ja genau um die Fälle, bei denen die Eltern das Gefühl hatten, die Lehrperson habe wesentliche Aspekte ihres Kindes nicht richtig erkannt. 

Ich ziehe aus dem Ergebnis der ersten Kontrollprüfung die Schlussfolgerung, dass sich unser Übertrittsverfahren bewährt: Grundsätzlich erfolgt der Übertritt in die Sekundarstufe I auf Grund einer Empfehlung der Lehrperson. Bei dieser Empfehlung wird die Leistung der Schülerin bzw. des Schülers in der Vergangenheit, aber auch seine Entwicklungspotenziale von der Lehrperson beurteilt. Es gibt deshalb auch Fälle, in denen die Lehrperson ein Kind, dessen Leistung vielleicht noch nicht reichen würde, in die Sek einteilt, weil seine Entwicklung der letzten Monate dies klar indiziert. Dieses Verfahren bewährt sich seit vielen Jahren in 95 % der Fälle. Die dieses Jahr neu eingeführte Möglichkeit einer Kontrollprüfung bei Uneinigkeit ermöglicht es jetzt beiden Seiten, wenn die - je legitime - Einschätzung des Kindes durch Eltern und Lehrperson stark divergiert, einen fairen Ausweg aus dem Konflikt zu finden: Eine Prüfung entscheidet dann über die Einteilung in Sek oder Real. Die Prüfung ist nicht besser als die Empfehlung der Lehrperson - sie ist etwas anderes: Eine Einschätzung der Leistung des Kindes im Moment der Prüfung und in Bezug auf die Fragen der Prüfung - mehr nicht. Auf diese Art konnten wir eine der belastenden Elemente der Mittelstufe entlasten - zum Wohle aller Beteiligten.

  • Die Ergebnisse der Kontrollprüfung werden in den nächsten Jahren evaluiert, so dass wir dann die richtigen Lehren aus allfälligen Problemen ziehen können.

Finanzpolitik

Bern braucht eine zuverlässige und stabile Finanzpolitik - nicht Sparhysterie

Anfangs 2014 hat die Mehrheit des Grossen Rates mit der Überweisung einer Motion der vier bürgerlichen Parteien SVP, FDP, BDP und EDU den Regierungsrat beauftragt, ungeachtet der verbesserten Finanzlage "umgehend" ein neues, noch viel einschneidenderes Sparpaket nachzuschieben. Dies, obwohl der Finanzplan für die nächsten Jahre nun schwarze Zahlen vorsieht und die Aktualisierung der Steuerertragsprognosen zeigt, dass diese schwarzen Zahlen zuverlässig sind. Das Rechnungsergebnis 2013 spricht die gleiche Sprache. Die Bürgerlichen verlangen ein neues, einschneidenderes Sparpaket, nachdem die gleichen Parteien im Rahmen der ASP-Debatte im November dem Regierungsrat in Inseraten vorwarfen, er gehe beim Sparen zu weit.

Der Regierungsrat hatte auf Grund der Verfassung, der Aufträge des Grossen Rates und auf Grund der Ergebnisse der Volksabstimmungen vom 23. September 2012 - in welchem die Berner Bevölkerung in zwei Vorlagen jeweils die höheren Steuersenkungen beschloss - die Pflicht, den Staatshaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie hat dies mit den Vorschlägen zu einer Aufgaben- und Strukturüberprüfung (ASP) getan. Mit diesem grossen Paket sind die Finanzen über die nächsten Jahre wieder im Gleichgewicht. Gleichzeitig enthält der Finanzplan auchdie nötige Lohnentwicklung von jährlich 1,5 % für die Lehrkräfte und das Kantonspersonal. In verschiedenen Bereichen - u.a. bei der Bildung, im Sozialen, bei den Infrastrukturen - sind wir mit dem ASP allerdings an der roten Linie angelangt. Weitere kurzfristige Sparmassnahmen lassen sich in den wenigsten Bereichen noch vertreten. 

Der Regierungsrat ist deshalb der Auffassung, es sei jetzt nicht gleich ein neues Sparpaket "nachzuschieben". Vorerst ist das ASP umzusetzen und deren Folgen genau zu analysieren. Gleichzeitig ist auch die Wirtschaftsentwicklung und die steigenden Steuereinnahmen zu beurteilen. Es ist unverantwortlich, um jeden Preis an der Sparschraube weiter zu drehen. Unser Kanton - seine Bevölkerung, seine Wirtschaft, seine Institutionen - braucht eine Politik der ruhigen Hand, eine seriöse Arbeit und nicht blinde Sparwut. Der Regierungsrat hat bisher eine solche seriöse und verlässliche Politik gemacht. Es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern.

  • Grossrats- und Regierungsratswahlen am 30. März 2014 - hier haben Sie die Gelegenheit, einer zuverlässigen und stabilen Finanzpolitik Ihre Stimme zu geben und der Sparhysterie ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse des Bevölkerung eine Absage zu erteilen.
← zurück   ↑ nach oben   Ξ drucken